Im Jahr 1933, im Alter von 18 Jahren, trifft Marie-Louise von Franz auf Carl Gustav Jung. Dies ist ein entscheidender Wendepunkt. Jung erkennt sofort ihre brillante Intelligenz und engagiert sie, um alte alchemistische Texte ins Griechische und Lateinische zu übersetzen.
Sie wird seine engste Mitarbeiterin und eine der bedeutendsten Figuren der analytischen Psychologie, die das Werk ihres Meisters fortführt und dabei ihre eigene Sensibilität einbringt.
Während Jung sich stark auf große Mythen und Religionen konzentrierte, erforschte von Franz das bescheidenere Material der weltweiten Märchen. Für sie sind diese Märchen der reinste und einfachste Ausdruck der psychischen Prozesse des kollektiven Unbewussten.
Ihre meisterhaften Analysen zeigten, dass jedes Märchen einen Versuch der menschlichen Seele beschreibt, ihre Integrität wiederzufinden (den Prozess der Individuation).
In Fortführung von Jungs Arbeiten vollendete sie ihr großes Werk über Alchemie (Mysterium Coniunctionis) und bewies, dass die Alchemisten des Mittelalters nicht versuchten, physisches Blei in Gold zu verwandeln, sondern symbolisch die spirituelle Transformation der menschlichen Seele beschrieben.
Sie war die Hauptpionierin, die die Theorie der Synchronizität vertiefte. Sie interessierte sich für die Rolle der Zahlen (1, 2, 3, 4) nicht als mathematische Größen, sondern als 'Archetypen der Ordnung', die eine Brücke zwischen Materie und Psyche schlagen.
In ihrem Meisterwerk 'Zahl und Zeit' schlägt sie vor, dass die Synchronizität auf einer vorbestehenden kosmischen mathematischen Intelligenz beruht.
Eine faszinierende Erkundung der Gesetze, die die Synchronizität regeln, und wie Geist und Materie durch Mathematik zusammenkommen.
Das unverzichtbare Referenzbuch, um zu verstehen, wie Volksmärchen die menschliche psychologische Entwicklung kodieren.