Hexagramm 2Der Empfangende (Die Erde)
Oben : Erde (Kun) - ☷Unten : Erde (Kun) - ☷
„Der Empfangende kennt eine erhabene Errungenschaft. Er begünstigt die Ausdauer einer Stute. Wenn der edle Mensch führen will, verirrt er sich; wenn er folgt, findet er die richtige Richtung.“
Dieses Hexagramm besteht vollständig aus Yin-Linien (gebrochen, offen) und ist die perfekte Ergänzung zum Schöpfer. Es handelt sich nicht um Schwäche, sondern um eine unermessliche Empfangskraft. Wo der Himmel initiiert, vollendet die Erde. Die Stute symbolisiert diese friedliche, ausdauernde und gehorsame Kraft, die in der Lage ist, schwere Lasten über lange Strecken zu tragen. Der Rat ist klar: Dies ist nicht der Moment, um Ereignisse zu erzwingen oder seinen Willen aufzuzwingen. Man sollte sich von der Situation fruchtbar machen lassen, zuhören, unterstützen und den Impulsen des Moments Form geben, ohne nach Ruhm zu streben.
Aus jungianischer Sicht verkörpert „Der Empfangende“ den Archetyp der Großen Mutter, des Unbewussten und der ursprünglichen Matrix. Es ist das tiefe weibliche Prinzip der Psyche (die Anima in ihrer nährenden Dimension). Angesichts einer Ziehung des Empfangenden zeigt die Synchronizität, dass Ihr bewusster Verstand (das Ego) loslassen muss. Sie können Ihr aktuelles Problem nicht durch Kampf, analytisches Denken oder Aggression lösen. Die Lösung wird durch Intuition, stille Reifung und Akzeptanz dessen, was ist, kommen. Lassen Sie die Dinge zu Ihnen kommen. Vertrauen Sie Ihrem instinktiven Gefühl und lassen Sie die Samen im Dunkeln Ihres Unbewussten reifen, bevor sie ans Licht kommen.
In der Quantenphysik ist der Empfangende analog zum Quanten-Vakuum (oder Nullpunktfeld). Dieses Vakuum ist nicht „nichts“, es ist der fundamentale Raum, der vor jeder Materie vorliegt und voller virtueller Energie ist. Es ist der weiße Bildschirm des Raum-Zeit-Gewebes, auf dem die Teilchen (das Yang) sich abdrücken. Ohne dieses empfangende Vakuum wäre keine Manifestation möglich. Den Empfangenden zu ziehen bedeutet, sich auf das Prinzip der Quantenverschränkung auszurichten: zu erkennen, dass alles subtil miteinander verbunden ist und dass eine nicht-lokale Handlung (Wu Wei, Handeln ohne Handeln) mehr Kraft haben kann als eine mechanische Kraft, die blind angewendet wird.